Das Bahnhofsgebäude entsteht
Rückschlag
Aber wie das so ist bei Modellbahnbau. Es geht nie etwas glatt. Als ich später das maßstäblich dicke Südportal betrachtete, musste ich feststellen, dass Innen- und Außenplatte – trotz der beim Leimen benutzen Zwingen – um den Bruchteil eines Millimeters gegeneinander verrutscht sind. Die gelaserten Deckschichten fluchten nicht ganz – und das stört mich gewaltig. Weil ich aber kein neues Südportal mehr erstellen will (das jetzige war teuer genug!) versuche ich mit „Molto Holz Reparaturspachtel“ zu retten, was zu retten ist. Sieht momentan noch etwas unsauber aus, aber ich hoffe, das wird.
- Oberer Abschluss des Südportals
- Oberer Abschluss des Südportals
Das Südportal muss stabil stehen und gleichzeitig exakt auf den Bahnsteigen ausgerichtet sein. Zunächst versuche ich verschiedene Befestigungsmöglichkeiten. Schließlich richte ich die Front so aus, dass sie nicht mehr kippt und die Säulen zwischen den Bögen mittig auf den Bahnsteigen stehen.
Fenster und letzte Details
Zum Abschluss der Südfassade wurden dann noch die Fenster eingesetzt. Sie bestanden aus bedruckter und laminierter Folie. Da sich die Folie beim Drucken geringfügig verzog, mussten die Zeichnungen am Computer entsprechend angepasst werden, damit die Fenster exakt in die Rahmen passten.
- Das Südportal mit nun eingesetzten Fenstern
- Das Südportal mit nun eingesetzten Fenstern
Ich finde, die Wirkung der Fenster – wenn auch nur gedruckt – ist fantastisch.
Seitenwände
Die Hallenlängswände des Originals sind durchgehend 1, 50 m (9,5 mm) dick. Nur an den Stellen, an denen später die 11 Dachbinder aufliegen, sind die Mauern stärker, nämlich rund 2,50 m (15,5 mm).
Dieser Aufbau lässt sich mit mehreren Sperrholzschichten gut umsetzen. Für jede Seitenwand benötige ich eine identische Innen- und Außenschicht. Die Seitenwände bestehen im Grunde aus vier 60 cm langen, 15 cm hohen und 3 mm dicken rechteckigen Sperrholz-Streifen, in die ich die Fensteröffnungen mit dem Laser schneiden lasse.
Bevor ich die gelaserten Schichten aber miteinander verklebe, erstelle ich zunächst den Korpus des Bahnhofsgebäudes. Dafür setze ich das bereits fertige Südportal, die gelaserten Innenschichten der beiden Hallenlängswände und eine einfache Rückwand aus 6-mm-Sperrholz zusammen. So entsteht bereits die Grundform des gesamten Bahnhofsgebäudes.
- Der Korpus den Bahnhofsgenäudes …
- … wird zusammengesezt.
Anstreichen
Es wäre toll, wenn ich es heute schaffen würde, das Bahnhofsgebäude (komplett) mit „Goya Acrylic beige“ als Grundton und „Goya Acrylic lichter ocker“ zu streichen. Dazu (minimalst!) Terrakotta. Die Stuck-Arbeiten kann man wohl auch später noch anbringen.
- Streichen der Seitenwand
Das Streichen der Wände ging jetzt besser als gedacht. Dazu habe ich die Farben „Goya Acrylic beige“, „Goya Acrylic lichter ocker“ und einen Hauch „Terrakotta“ in einem Kräuterquark-Becher gemischt und dann die Fassaden mit einem breiten Borstenpinsel „wild“ angestrichen. Das reicht. Jetzt muss ich nur noch ein bis zwei Stunden warten, bis die Farbe trocken ist.
Anschließend kümmere ich mich um die Außenschichten der Hallenlängswände. und damit auch um die Fenster. Hinter die sechs großen und 21 kleineren Fensteröffnungen klebe ich zunächst die ebenfalls aus 3-mm-Sperrholz gelaserten Laibungen.
- Aufkleben der Fensterlaibungen
- Aufkleben der Erker
Auf diese klebe ich anschließend die zugeschnittenen Fensterfolien, welche ich in Corel-Draw gezeichnet, auf Transparentpapier gedruckt und anschließend laminiert habe.
- Die Fenster in der Hallen-Längswand
- Die Fenster in der Hallen-Längswand
Beim Einsetzen der Fenster kommt es auf Bruchteile eines Millimeters an, sodass das nur auf meinem Leuchtpult geht, den ich noch aus meinen Dia-Zeiten habe.
Nachdem die Fensterfolien und Laibungen an ihrem Platz sind und alles vollständig getrocknet ist, klebe ich die komplette Außenschicht von außen auf den zuvor aufgebauten Korpus des Bahnhofsgebäudes.
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Jetzt fehlen nur noch die Erker auf der Innen- und Außenseite, auf denen später die Dachbinder aufliegen. Auch diese lasse ich aus 3-mm-Sperrholz lasern und klebe sie anschließend innen und außen auf die Hallenlängswände. Durch die zusätzlichen Erker erreiche ich auch in diesem Bereich die erforderliche Wandstärke von 15,5 mm, was im Original 2,50 m entspricht.
- Bauarbeiten am Gebäude des Anhalter Bahnhofs
- Ich glaube, das wird …
Damit sind die Seitenwände fertig aufgebaut und für die nächsten Bauschritte vorbereitet.
Das Tonnendach entsteht
Nun widme ich mich dem Dach. Es soll freitragend und abnehmbar sein. Zunächst berechne ich die notwendige Breite des Dachbogens und fertige anschließend einen Teststreifen an.
- Das tonnenförmige Dach wird eingepasst
- Das tonnenförmige Dach wird eingepasst
Diesen setze ich immer wieder ein, messe nach und kürze ihn millimeterweise. Erst als die Form passt, übertrage ich sie auf das eigentliche, etwa 600 mm lange Dach.
So entsteht schließlich das Tonnendach des Bahnhofs.
Das gesamte Bahnhofsgebäude
Wie lange baue ich nun schon am „Anhalter Bahnhof“? 30 Jahre? 35? Egal. Nachdem das Bahnhofsgebäude endlich auch sein Tonnendach bekommen hat, habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder das Gefühl: Es geht voran. Was dabei zählt, sind nicht die vergangenen Jahrzehnte, sondern das Ergebnis. Mein Bahnhof ist etwas Eigenes. Genau diesen Anhalter Bahnhof gibt es auf der ganzen Welt kein zweites Mal. Natürlich sieht man Fehler. Manche Teile sind etwas schief, vieles besteht lediglich aus Sperrholz und Farbe. Aber wenn ich vor der Anlage sitze und das Ganze als das betrachte, was es sein soll – eine Illusion –, dann funktioniert es. Und genau darum geht es mir.
Das Bahnhofsgebäude mit seinem Gleisvorfeld macht inzwischen richtig etwas her. Selbst ohne die noch fehlende Hochbahnbrücke bin ich damit zufrieden. Und so denke ich mir: Also los – vierter Versuch!
- Mein Anhalter Bahnhof im Rohbau
- Das Gebäude meines Anhalter Bahnhofs im Rohbau
Wenn ich mir jetzt so das Bahnhofsgebäude und das Gleisvorfeld ansehe, gibt das – auch wenn es mit der Hochbahnbrücke derzeit nicht klappt – schon was her. Da brauche ich – zumindest, was das Bahnhofsgebäude angeht, hinter dem kommerziellen Bausatz des Anhalter Bahnhofs, der derzeit für 699 € im Netz angeboten wird nicht verstecken.
Vorläufige Pause
Das Bahnhofsgebäude ist inzwischen weit fortgeschritten, die Gesamtanlage aber noch längst nicht fertig. Gleichzeitig verschoben sich meine Prioritäten: Eine geplante Reise in die Serengeti rückte in den Vordergrund. Der Weiterbau der Eisenbahn konnte deshalb zunächst warten.
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